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Winterreifenpflicht jedem zehnten Autofahrer unbekannt

Im Fall des Falles keine Winterreifen montiert zu haben, ist seit Ende vergangenen Jahres in Deutschland mehr als ein Kavaliersdelikt. Es drohen Strafzahlung und ein Flensburger Punkt. Wie eine repräsentative A.T.U-Umfrage zeigt, sind darüber vor allem junge Fahrzeughalter nicht informiert. Sieben Prozent verweigern den Wechsel gar aus Prinzip.



Winterbereifung ist bei Glätte, Schnee und Matsch seit knapp einem Jahr Pflicht, doch jedem zehnten Autofahrer ist diese Vorschrift unbekannt, wie eine Befragung von 1.000 Autofahrern zu Beginn des Monats ergab, die A.T.U bei puls Marktforschung in Auftrag gegeben hatte.

Dabei steht die Unkenntnis über die Winterreifenpflicht unmittelbar mit dem Alter der Autofahrer in Zusammenhang: Je jünger der Autofahrer, desto weniger bekannt die Vorschrift. 14 Prozent der Befragten unter 30 Jahren gaben an, noch nichts von der Vorschrift gehört zu haben. Bei den 31- bis 50-Jährigen sind es nur noch elf Prozent.

Am besten informiert waren Autofahrer über 50 Jahre: 96 Prozent kennen die Winterreifenpflicht. Zugleich offenbarte die Umfrage, dass sieben Prozent der informierten Pkw-Fahrer Winterreifen prinzipiell ablehnen. Weitere sechs Prozent gaben an, noch unschlüssig zu sein, ob sie die Winterpneus aufziehen werden.



Die Anfang Dezember 2010 in Kraft getretene Änderung der Strassenverkehrsordnung sieht vor, dass bei Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden darf, deren Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Aufbau für die genannten winterlichen Wetterverhältnisse ausgelegt sind (sogenannte M+S-Reifen). Das Bundesverkehrsministerium folgte damit ähnlichen gesetzlichen Vorschriften anderer europäischer Nationen; in Finnland, Österreich und der Slowakei sind Winterreifen schon länger Pflicht.



Wer in Deutschland gegen die Winterreifenpflicht verstösst, zahlt 40 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Bei Behinderung des Verkehrs durch unpassende Bereifung sind 80 Euro Strafe fällig. Schlimmer noch: Wer mit Sommerreifen auf Schneeglätte einen Unfall verursacht, begeht eine grobe Fahrlässigkeit und verliert in den meisten Fällen den Kaskoschutz. Der Schaden ist dann aus eigener Tasche zu begleichen.

Die deutschen Fahrzeughalter haben im vorigen Jahr schnell auf die neue Regelung reagiert. Allein 13 Prozent der Autofahrer, die die Winterreifenpflicht kennen, haben laut Umfrage nur aufgrund der damaligen Neuregelung ihre Reifen gewechselt und sich zu 78 Prozent für einen Kauf neuer Reifen entschieden.



Schon jetzt im Herbst, bei regnerischen Verhältnissen und nassem Laub auf der Fahrbahn, sind Winterreifen ratsam: «Bei Tempo 100 und plus fünf Grad Außentemperatur ist der Bremsweg auf nasser Fahrbahn mit Winterreifen vier Meter kürzer als mit Sommerreifen», rechnet Jochen Haag, Leiter Reifen und Felgen bei A.T.U, vor. Wer dann noch auf Sommerreifen unterwegs sei, gehe ein unnötiges Sicherheitsrisiko ein. Gerade das aber wollen viele deutsche Autofahrer nicht. Laut A.T.U-Umfrage plant jeder Zweite (49%) den Kauf neuer Winterreifen.

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